Geschichte vom braven Kasperl und dem schoenen Annerl
Clemens Brentano
Es war Sommersfruehe, die Nachtigallen sangen erst seit einigen Tagen durch die Strassen und verstummten heut in einer kuehlen Nacht, welche von fernen Gewittern zu uns herwehte; der Nachtwaechter rief die elfte Stunde an, da sah ich, nach Hause gehend, vor der Tuer eines grossen Gebaeudes einen Trupp von allerlei Gesellen, die vom Biere kamen, um jemand, der auf den Tuerstufen sass, versammelt. Ihr Anteil schien mir so lebhaft, dass ich irgendein Unglueck besorgte und mich naeherte.
Eine alte Baeuerin sass auf der Treppe, und so lebhaft die Gesellen sich um sie kuemmerten, so wenig liess sie sich von den neugierigen Fragen und gutmuetigen Vorschlaegen derselben stoeren. Es hatte etwas sehr Befremdendes, ja schier Grosses, wie die gute alte Frau so sehr wusste, was sie wollte, dass sie, als sei sie ganz allein in ihrem Kaemmerlein, mitten unter den Leuten es sich unter freiem Himmel zur